Guide TU 650LS Pro 3.0 im Test – Nachtzieltechnik nun unschlagbar?

16.08.26

Guide TU650LS im Test: Zielfernrohr statt Vorsatzgerät

Mit der TU650LS bringt Guide ein Wärmebild-Zielfernrohr auf den Markt, das bewusst wie ein klassisches Tagoptik-Zielfernrohr aussieht und sich auch genauso bedienen lässt. Das Gerät sitzt mit 30-mm-Mittelrohr in einer ganz normalen Montage, hat sein Bedienzentrum nah am Schützen und bringt einen im Objektiv integrierten Laser-Entfernungsmesser mit. Herzstück ist ein 640×512-VOx-Sensor mit einer NETD von unter 15 mK, kombiniert mit einem lichtstarken 50-mm-Objektiv. Das AMOLED-Display, die griffnahe Bedienung und der hybride Akku runden das Gesamtpaket ab. Im Folgenden gehen wir auf Bildqualität, Optik, Ausstattung und Akkulaufzeit im Detail ein und zeigen, für welches Revier sich das Gerät eignet.


Für wen eignet sich die Guide TU650LS?

Mischrevier
Hohe Bildqualität, App-Anbindung und ein Zoombereich von 3,7- bis knapp 30-fach machen das Gerät zum flexiblen Allrounder für wechselnde Bedingungen.
Sehr gut geeignet
Feldrevier
Das lichtstarke 50-mm-Objektiv und der eingebaute Laser-Entfernungsmesser spielen ihre Stärken auf offener Fläche und über weite Distanzen aus.
Sehr gut geeignet
Waldrevier
Mit rund 15 m Sichtfeld auf 100 m ist der Bildausschnitt für dichten Bewuchs eher schmal – auf kurze Distanz im Wald verlieren Sie schneller die Übersicht.
Bedingt geeignet
Wildtier-Monitoring
256 GB interner Speicher, WLAN-App-Anbindung und eine Foto-/Videofunktion per Tastendruck machen aus dem Zielfernrohr auch ein brauchbares Beobachtungsgerät.
Sehr gut geeignet

NEU: Apex Vision System

Die TU650LS gehört zur neuen Guide-Serie mit dem Apex Vision System. Dahinter steckt mehr als nur ein empfindlicherer Sensor: Ein deutlich schnellerer Prozessor sorgt gemeinsam mit dem Hyper-Light-2.0-Algorithmus für ein ruckelfreies, kontrastreiches Bild, das sich automatisch an die jeweilige Umgebung anpasst. Auch bei schnellen Schwenks bleibt das Bild scharf, ohne zu verschmieren.

NEU: Laser-Entfernungsmesser im Objektiv integriert

Statt eines aufgesetzten Zusatzgehäuses sitzt der Laser-Entfernungsmesser bei der TU650LS platzsparend im Objektiv selbst. Von außen fällt er kaum auf, das Zielfernrohr behält die schlanke Silhouette eines klassischen Tag-Zielfernrohrs.


Sensor & Bildqualität: 640×512 Pixel und unter 15 mK

Das Herzstück der TU650LS ist ein ungekühlter VOx-Sensor mit Apexcore-S1-Technologie. Er löst mit 640×512 Pixeln bei einem Pixel-Pitch von 12 µm auf und arbeitet im Spektralbereich von 8 bis 14 µm. Mit einer NETD von unter 15 mK erkennt das Gerät selbst feine Temperaturunterschiede im Wildfell – bei Damwild auf 150 m sind noch deutliche Zeichnungen und Temperaturkontraste im Fell sichtbar, wo andere Geräte oft nur eine weiße Silhouette zeigen. Angezeigt wird das Bild auf einem 1,03-Zoll-AMOLED-Display. Dank der Shutterless-Kalibrierung friert das Bild beim Neuabgleich nicht kurz ein, Sie behalten durchgehend die Übersicht auf dem Ansitz.

Sensor
640×512, VOx
Pixel-Pitch
12 µm
NETD
< 15 mK
Display
1,03″ AMOLED, 2560×2560 px

Optik & Reichweite: 50-mm-Objektiv mit eingebautem Laser

Das 50-mm-F0,9-Germanium-Objektiv liefert eine Grundvergrößerung von 3,7-fach, per Digitalzoom lässt sich bis auf 8-fach zuschalten – macht in der Spitze knapp 30-fach Gesamtvergrößerung. Das Sichtfeld auf 100 m liegt bei etwa 15 m, das ist eher schmal und macht das Gerät stärker für weite, offene Flächen als für dichten Waldbestand geeignet: breit ist gut für Wald und Kirrung, schmal spielt seine Stärken auf freier Fläche aus. Fokussiert wird nicht am Objektiv, sondern bequem über den oberen Turm nah am Auge. Der eingebaute Laser-Entfernungsmesser misst unter Idealbedingungen bis 1.200 m, realistisch mit etwas Dunst oder Feuchtigkeit in der Luft sind 800 bis 1.000 m ein realistischer Wert. Die Wärmebild-Erkennungsreichweite selbst liegt laut Datenblatt bei bis zu 2.600 m.

Objektiv
50 mm F0,9
Vergrößerung
3,7× – 29,6×
Sichtfeld auf 100 m
ca. 15 m
Laser-Entfernungsmesser
bis 1.200 m

Aufnahme & Funktionen: App, Ballistikrechner und Shutterless-Kalibrierung

Über dual-band-WLAN und Bluetooth verbindet sich die TU650LS mit der kostenlosen TargetIR-App. Darin steckt ein Ballistikrechner, ein Livestream vom Zielfernrohr aufs Handy und die Möglichkeit, Aufnahmen bequem zu verwalten und herunterzuladen. Fotos und Videos speichert das Gerät intern auf 256 GB – genug Platz für mehrere Ansitze am Stück. Die vordere Taste löst mit kurzem Druck ein Foto aus, mit langem Druck startet die Videoaufnahme, die hintere Taste schaltet den Laser-Entfernungsmesser. Auch die X- und Y-Achse für den Einschießvorgang lassen sich wahlweise am Gerät oder ganz bequem über das Smartphone verstellen.

Hinweis

Das Zielfernrohr lässt sich auf zwei Arten einschießen: klassisch über die X/Y-Koordinaten im Menü oder per Foto-Einfrieren, bei dem Sie den Treffpunkt direkt auf dem Bild auf den Zielpunkt schieben. Letzteres spart im Feld Munition, weil Sie sich mit wenigen Schüssen zügig ins Zentrum arbeiten.


Akku & Robustheit: Hybrid-Akkusystem und IP68

Guide setzt auf ein Hybrid-Akkusystem aus einem fest verbauten Pack und einem 18650-Wechselakku, den Sie während des laufenden Betriebs tauschen können, ohne dass sich das Gerät abschaltet. Laut Hersteller hält die TU650LS damit gut 14 Stunden durch, realistisch ist eher mit rund 10 Stunden zu rechnen – das reicht locker für einen kompletten Ansitz. Mit 935 g liegt das Gerät nur einen Tick über einer gefüllten Thermoskanne und bleibt damit gut führbar. Die Gehäuse-Konstruktion aus Aluminium ist nach IP68 geschützt und übersteht laut Datenblatt sogar 30 Minuten in 50 cm Wassertiefe – Regen und Spritzwasser auf dem Ansitz sind also kein Thema. Rückstoßtechnisch verträgt das Gerät bis zu 6.000 Joule und ist damit für gängige Jagdkaliber wie 9,3×62, .30-06 oder .300 Win Mag freigegeben.

Akku
fest + 18650 wechselbar
Laufzeit
ca. 10–14 Std.
Gewicht
935 g
Schutzklasse
IP68

Achtung: Rechtliche Lage in Deutschland

Der Besitz eines dedizierten Wärmebild-Zielfernrohrs wie der TU650LS ist in Deutschland derzeit nicht erlaubt. Wer ein solches Gerät führt, riskiert nicht nur ein Strafverfahren, sondern verliert auch seine waffenrechtliche Zuverlässigkeit und damit den Jagdschein. Informieren Sie sich vor jedem Kauf über die aktuelle Rechtslage in Ihrem Bundesland.


Fazit

Die Guide TU650LS ist ein durchdachtes Wärmebild-Zielfernrohr, das bewusst die vertraute Bedienung eines Tagoptik-Zielfernrohrs übernimmt: gleichbleibende Balance an der Waffe, griffnahe Bedienelemente und kein mechanischer Adapter, der als Fehlerquelle für Treffpunktverlagerungen infrage kommt. Der 640×512-Sensor mit unter 15 mK, das lichtstarke 50-mm-Objektiv und der integrierte Laser-Entfernungsmesser liefern gute Voraussetzungen für Feld- und Mischreviere, während das eher schmale Sichtfeld im dichten Waldrevier an seine Grenzen stößt. Für Jäger, die ohnehin überwiegend im offenen Gelände oder auf dem Ansitz unterwegs sind, ist das ein rundes Gesamtpaket. Wer viel im dichten Bewuchs jagt, sollte eher zu einem Modell mit breiterem Sichtfeld greifen, etwa zur kleineren Guide TU435LS mit 35-mm-Objektiv und 400er-Sensor oder zur Guide TU635LS, die dasselbe 35-mm-Objektiv mit dem größeren 640er-Sensor kombiniert. In Deutschland bleibt der Einsatz als Zielfernrohr aktuell ohnehin Zukunftsmusik – umso mehr lohnt es sich, sich schon jetzt über die Technik zu informieren.

Beratung am Telefon und vor Ort

Kontaktieren Sie uns gerne zur Beratung bzgl. Wärmebild Zieltechnik oder Vorsatztechnik verschaffen Sie sich einen praxisnahen Überblick. Ich bin Jäger. Wenn Sie zu mir kommen, reden Sie nicht mit einem Verkäufer – sondern mit jemandem, der die Geräte selbst im Revier führt. Direkt am Verkaufsraum steht ein Hochsitz. Nehmen Sie Platz, nehmen Sie das Gerät – und schauen Sie raus. So testen Sie, wie es wirklich zählt. Ich nehme mir Zeit für Sie. Deshalb bitte ich um eine kurze Terminvereinbarung vorab.

Ihr Jens Dewenter – Venari Jagd, Rastede