Thermtec Wild 650 DL Pro im Test – Zwei Brennweiten, ein Rangefinder, kein Kompromiss

31.01.26

Das Thermtec Wild 650 DL Pro ist die dritte Evolutionsstufe der Wild-Familie von Thermtec – nach der Cyclops-Serie und der Wild-Serie. Wir vom Team von Venari Jagd haben das Gerät ausführlich im Revier getestet und zeigen euch, was es wirklich kann.

Sensor
640 × 512
NETD
< 15 mK
Brennweiten
25 + 50 mm
Display
0,5″ AMOLED
Auflösung Display
1600 × 1200
Akku
18650
Schutzklasse
IP67
Laufzeit
~4–6 h

Das Herzstück: Zwei physikalische Brennweiten

Das „DL” im Namen steht für Dual-Linse mit integriertem Laser-Entfernungsmesser – und genau hier liegt der entscheidende Unterschied zu allen anderen Geräten am Markt. Wir kennen keinen anderen Hersteller, der diese Kombination in einem einzigen Gerät verbaut.

25 mm (I)
Großes Sichtfeld von ~31 m auf 100 m. Ideal für die Übersicht auf Feldern, Lichtungen und weiten Revieren. Wir nutzen diese Brennweite für den ersten Scan der Umgebung.
Übersicht & Pirsch
50 mm (II)
Enges Sichtfeld von ~15,5 m auf 100 m. Kein Digitalzoom, sondern echte optische Vergrößerung – fürs Ansprechen auf Distanz ohne Qualitätsverlust.
Ansprechen auf Distanz
Praxistipp – Brennweitenwechsel

Die Umschaltung zwischen 25 mm und 50 mm erfolgt durch ein leichtes Drehen am vorderen Objektivring. Das gelingt auch mit Handschuhen problemlos und in Sekunden – für uns ein echter Gamechanger beim Wechsel von der Übersicht zum Ansprechen.


Laser-Entfernungsmesser: In der Linse verbaut

Bei früheren Lösungen war der Rangefinder als separates Modul unterhalb des Geräts montiert – sperrig und fehleranfällig. Thermtec hat den Laser-Entfernungsmesser direkt in die Frontlinse integriert. Das Ergebnis ist ein kompaktes, cleanes Gerät ohne abstehende Bauteile.

Bedient wird der Rangefinder über den Joystick: kurz nach links halten aktiviert die Messung, nochmals drücken beendet sie. Wir empfehlen die Dauermessung, da ein einzelner Messpunkt im Gelände schnell verfehlt ist. Im Freifeld – wo Entfernungen in der Nacht notorisch schwer zu schätzen sind – hat uns der Rangefinder mehrfach vor einem zu weiten Schuss bewahrt.

Hinweis – Akku & Rangefinder

Der Laser-Entfernungsmesser ist ein echter Stromfresser. Wer ihn häufig einsetzt, sollte mit einer deutlich kürzeren Akkulaufzeit als die angegebenen 6 Stunden rechnen. In unserem Test kamen wir auf rund 3–4 Stunden bei regelmäßiger Nutzung des Rangefinders. Unser Rat: immer einen Wechselakku eingesteckt dabei haben.


Display & Einblickverhalten

Das AMOLED-Display ist gegenüber dem Vorgänger von 0,39 auf 0,5 Zoll gewachsen – und das merkt man sofort. Mit 1.600 × 1.200 Pixeln liefert es ein außergewöhnlich detailreiches Bild. Wer kleinere Sucher gewohnt ist, wird zunächst überrascht sein, dass man mit der Pupille regelrecht im Bild schwenken kann.

Das größere Display hat jedoch auch eine Kehrseite: es strahlt entsprechend mehr Licht ab. Für lichtempfindliche Augen kann das – selbst auf der dunkelsten OLED-Einstellung – zu Blendung führen. Unsere Lösung: ein kreisrundes Stück ND-Folie (Neutral Density, 4 Stops) unter das Gummiokular klemmen. Das reduziert das Licht auf ein Sechzehntel, ohne die Bildqualität zu beeinträchtigen. Wer lichtempfindliche Augen hat, sollte das unbedingt ausprobieren.

Hinweis – Bildmodi & Farbpaletten

Das 650 DL Pro bietet eine Vielzahl an Farbpaletten (White is Hot, Black is Hot, Red is Hot, Blue Overlay u. a.). Wichtig: Wer Helligkeit stark reduziert und gleichzeitig den Kontrast erhöht, riskiert, dass warmes Wild in dichtem Bewuchs kaum noch vom Hintergrund absetzbar ist – besonders nach warmen Tagen. Wir empfehlen, die Bildparameter in der Mitte zu belassen und nur über die OLED-Einstellungen zu justieren.


Ergonomie & überarbeitete Details

Thermtec hat viele kleine, aber im Revier sehr relevante Verbesserungen eingebaut. Der Akkudeckel springt jetzt von selbst auf – beim Vorgänger war er gefürchtet für abgerissene Fingernägel. Das Okular lässt sich für Brillenträger plan klappen. Die Dioptrieeinstellung erfolgt nun über einen breiten, gummierten Drehring statt eines kleinen, fummligen Pinökels. Selbst mit Handschuhen einwandfrei bedienbar.

Der Joystick ist flacher und breiter gestaltet, sodass er sich auch von der Seite anstupschen lässt. Die Steuerung funktioniert ausschließlich in den vier Grundrichtungen (kein Diagonaldruck), was versehentliche Fehleingaben verhindert. Die zentrale Fokuswalze ermöglicht echte Einhandbedienung – für Pirschjäger ein entscheidender Vorteil.

Für Pirschjäger
Zentrale Fokuswalze, Einhandbedienung, Handschlaufe mit 4 Ankerpunkten für Links- und Rechtshänder. Wer viel läuft und eine Hand frei braucht, ist hier bestens bedient.
Empfohlen
Für Kanzeljäger
Das Gewicht von rund 650 g ist im Ansitz kein Thema. Das Stativgewinde macht das Gerät kompatibel mit motorisierten Stativen – ideal für die Feldbeobachtung vom Fahrzeug aus.
Gut geeignet

Akku & Lieferumfang

Das Gerät läuft mit handelsüblichen 18650 Flachkopfakkus – dem gleichen Format, das viele Taschenlampen und Nachtsichtgeräte nutzen. Wer ohnehin ein 18650-System fährt, hat damit ein vollständig kompatibles Ökosystem. Im Lieferumfang sind zwei Akkus enthalten. Mit zwei Akkus kommt man sicher auf über 7 Stunden, mit dreien problemlos durch die ganze Nacht.

Der Akkuwechsel funktioniert auch in kompletter Dunkelheit einwandfrei – wer es einmal am Tag übt, hat in der Nacht kein Problem. Ebenfalls im Lieferumfang: Nacken-/Halsband, Trageband, Gerätetasche mit eigenem Trageriemen, Handschlaufe, Datenkabel, Putztuch sowie eine Ladeschale mit Kabel.

Hinweis – LED im Standby

Anders als beim Vorgänger blinkt im Standby keine rote LED mehr. Das Gerät macht sich in der Nacht optisch nicht selbst bemerkbar – ein kleines, aber im Revier nicht unerhebliches Detail.


Software & Multimedia

Das Gerät ermöglicht Foto- und Videoaufnahmen sowie eine Live-Übertragung per App auf Smartphone oder Tablet. Die individuell konfigurierbaren Farbpaletten-Favoriten ersparen das Durchscrollen aller Modi im Revier. Wer möchte, kann zudem tief in die Bildparameter eintauchen: Rauschen, Weißabgleich, Helligkeit, Kontrast – alles feineinstellbar. Das ist kein Muss, aber ein echter Mehrwert für erfahrene Nutzer. Aufnahmen lassen sich direkt im Gerät durchspulen, was bei der Nachsuche oder zur schnellen Fluchtrichtungsanalyse sehr praktisch ist.


Unser Bewertungsurteil

Bildqualität
9,2
Dual-Brennweite
9,5
Laser-Rangefinder
9,0
Ergonomie
8,5
Akku & Handling
8,2
Lieferumfang
8,8

Stärken & Schwächen

Stärken
  • Einziges Gerät mit Dual-Brennweite und integriertem Rangefinder
  • Großes, brillantes 0,5″ AMOLED-Display (1600 × 1200 px)
  • Rangefinder direkt in der Linse – kein sperriger Aufsatz
  • Handelsübliche 18650-Akkus, universell einsetzbar
  • Einhandbedienung dank zentraler Fokuswalze
  • Akkudeckel jetzt deutlich einfacher zu öffnen
  • Keine blinkende LED im Standby
  • Umfangreiche Bildparameter-Individualisierung
  • IP67 – auch bei starkem Regen bedenkenlos einsetzbar
Schwächen
  • Mit ~650 g kein Leichtgewicht – für lange Pirsch relevant
  • Großes Display kann lichtempfindliche Augen blenden
  • Rangefinder verkürzt die Akkulaufzeit spürbar
  • OLED-Helligkeitsstufen könnten noch eine dunklere Option vertragen
  • Hoher Kontrast bei minimaler Helligkeit kann Wilderkennbarkeit im Bewuchs mindern

Fazit

Das Thermtec Wild 650 DL Pro ist nach unserem ausführlichen Revier-Härtetest das momentan vollständigste Wärmebildgerät für die Jagd auf dem Markt. Wer sowohl Übersicht als auch präzises Ansprechen in einem Gerät vereinen will und dabei auf den Rangefinder in der Nacht nicht verzichten möchte, kommt an diesem Gerät schlicht nicht vorbei. Die kleinen Schwächen – vor allem das Gewicht und die Display-Helligkeit – sind lösbar und treten hinter dem Gesamtpaket deutlich zurück. Für uns ist es ein klarer Kauftipp für alle, die das Beste aus einem Gerät herausholen wollen.

Ihr habt Fragen zum Thermtec Wild 650 DL Pro oder wollt es direkt bestellen? Unser Team berät euch gerne – telefonisch, per E-Mail oder im Shop.

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