Das Gerät, das nicht aufgibt – NocPix MATE H50R im Test

11.04.26

NocPix MATE H50R – Wärmebild-Vorsatzgerät im Praxistest

Das NocPix MATE H50R gehört zu den Vorsatzgeräten, über die man im Revier redet. Wir haben es uns nicht entgehen lassen und das Gerät seit September letzten Jahres dauerhaft im Einsatz gehabt – bei nasskalter Herbstjagd, bei den Dübener Jagdtagen und sogar bei klirrender Kälte von –16,5 °C. Was das Gerät wirklich kann, erfahrt ihr hier.

Sensor
640 × 512
Pixel Pitch
12 µm
NETD
< 15 mK
Objektiv
50 mm F1.0
Bildrate
60 Hz
Gewicht
467 g
Abmessungen
120 × 92 × 76 mm
Akkulaufzeit
ca. 4 Std.
LRF Reichweite
1.200 m
Detektionsreichweite
2.600 m
Gehäuse
Magnesium
Speicher
64 GB
Anschluss
M52 × 0,75

Erster Eindruck & Verarbeitung

Schon beim ersten Anfassen merkt man: hier wurde nicht gespart. Das Magnesiumgehäuse fühlt sich solide an, ohne schwer zu wirken – 467 g inklusive Akku bei Abmessungen von nur 120 × 92 × 76 mm machen das H50R zu einem echten Leichtgewicht seiner Klasse. Das raue Oberflächenfinish unterstreicht die Qualitätsanmutung zusätzlich. Die Tasten lassen sich blind erfühlen und sauber bedienen, selbst wenn man die Augen lieber auf dem Wild behält.

Die Germaniumlinse wird durch einen robusten Magnesiumdeckel geschützt, der über ein Mehrgelenkschanier auf die Geräteoberseite klappt – so kann er nicht versehentlich vor den Laserentfernungsmesser geraten. Der Laserentfernungsmesser sitzt bewusst seitlich am Gehäuse, nicht im Objektiv – das schont die optische Leistung der Linse und erlaubt eine nachträgliche Justierung. Auf der rechten Seite befindet sich eine USB-C-Schnittstelle zum Laden, zur Stromversorgung und zum Auslesen von Daten.

Gut zu wissen

Die Bedienelemente und die Schärferegelung liegen auf der linken Seite des Geräts – praktisch für Rechtshänder im Anschlag. Linkshänder greifen am besten zur mitgelieferten Fernbedienung, die das bequem ausgleicht.


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Bildqualität im Revier

Der 640 × 512-Sensor mit 12-Mikrometer-Pixel-Pitch und einem NETD-Wert von unter 15 Millikelvin liefert ruckelfreie 60-Hz-Bilder auf einem hochauflösenden Display. Das Sichtfeld beträgt 15 × 11,5 m auf 100 m, die Detektionsreichweite reicht bei Standardzielgröße bis zu 2.600 m. Hohe Detailschärfe, starke Kontraste – und das auch dann, wenn Nebel, Frost oder hohe Luftfeuchtigkeit das Revier in Watte hüllen.

Im Revier konnten wir Rotwild auf 130 m vertraut auf einer Waldwiese ansprechen – kein Problem. Beeindruckend: Auf gut 200 m war bei Damwild die Scheckung im Fell noch klar erkennbar. Wild konnten wir auch unter schwierigen Bedingungen zuverlässig ansprechen und beurteilen. Bis zu einer zehnfachen Vergrößerung des Zielfernrohrs bleibt die Bilddarstellung sehr brauchbar – bei höheren Vergrößerungen nimmt die Schärfe etwas ab, was im jagdlichen Alltag aber kaum eine Rolle spielt.

Der 50-mm-Objektivdurchmesser macht das H50R besonders interessant für Feldjäger und für Strecken mit größeren Distanzen. Bei den Dübener Jagdtagen hat sich gezeigt: Im direkten Vergleich mit anderen Premiumgeräten liefert das H50R eine ruhige, kontrastreiche Darstellung, die auch unter Jagdstress stabil bleibt.

Bildqualität

 

9,5

Verarbeitung

 

9,5

Bedienbarkeit

 

8,8

RAV-Funktion

 

8,5

Kältebeständigkeit

 

9,8


Der Härtetest: –16,5 °C

Wir haben das Gerät bei –16,5 °C über 2 Stunden und 20 Minuten im Dauerbetrieb laufen lassen – mit nur einer kleinen Unterbrechung. Das Gerät hat durchgehalten. Bild war stabil, Menü reagierte tadellos. Der einzige Grund, warum wir den Test abgebrochen haben: die eigene Kältetoleranz hatte ihre Grenze erreicht, das Gerät noch längst nicht.

Praxisfazit Kälte

Wer in mitteleuropäischen Wintern auf der Pirsch ist, braucht sich beim MATE H50R keine Sorgen um Kälteausfälle zu machen. Das Gerät ist hier klar besser als manch gedämmte Kanzel.


Akku & Stromversorgung

Das H50R wird von einem austauschbaren 18650-Standardakku angetrieben – ein klarer Vorteil gegenüber proprietären Lösungen, denn Ersatzakkus bekommt man überall. Die Laufzeit liegt bei rund 4 Stunden. Wer länger im Revier ist, kann entweder über USB-C nachladen oder einfach auf den im Lieferumfang enthaltenen Wechselakku zurückgreifen. In der Praxis bedeutet das: kein unfreiwilliges Ende der Ansitz wegen leerem Akku.


Einsatzgebiete im Überblick

Feldrevier
50-mm-Objektiv, 2.600 m Detektionsreichweite und hohe Detailschärfe machen das Gerät ideal für offene Flächen.

Sehr gut geeignet

Ansitzjagd
Stabile Bildwiedergabe auch bei Frost und Nebel. Blinde Bedienbarkeit im Dunkeln ein klares Plus.

Sehr gut geeignet

Raubwildjagd
Ballistikrechner mit automatischer Haltepunktkorrektur – besonders wertvoll bei Kleinkalibern auf wechselnde Distanzen.

Sehr gut geeignet

Pirsch
Automatische Bildschirmabschaltung bei abgelegter Waffe verhindert ungewolltes Streulicht.

Gut geeignet

Drückjagd
Schnelle Tieridentifikation durch hohen Kontrast. Menüführung bleibt auch unter Stress klar.

Gut geeignet

Linkshänder
Bedienelemente sind auf der linken Seite – Rechtshänder profitieren, Linkshänder nutzen die Fernbedienung.

Mit Fernbedienung


Die RAV-Funktion – Recoil Activated Video

Die RAV-Funktion aktiviert nach dem Schuss automatisch eine Videoaufnahme – direkt ausgelöst durch den Rückstoß. So kann man hinterher genau sehen, wo man abgekommen ist. Das ist ein echter Mehrwert, besonders wenn man einen Schuss analysieren oder den Treffpunkt belegen möchte.

Achtung – Einstellung notwendig

Die RAV-Funktion muss auf das verwendete Kaliber abgestimmt werden. Die Empfindlichkeit geht von Stufe 0 bis 5 – schwache Kaliber tendieren zur 0, starke Kaliber zur 5. Ist die Einstellung falsch, startet die Aufnahme bei der Schussabgabe nicht. Das ist kein Defekt – sondern einfach eine kurze Einrichtungssache beim ersten Einsatz.

Wir haben die Funktion mit Kaliber .308 Winchester erfolgreich getestet. Der Schuss saß, die Aufnahme startete zuverlässig – und das Video beweist es schwarz auf weiß. 


Ballistikrechner, Magic Zoom & smarte Extras

Das H50R bringt einen vollwertigen Ballistikrechner mit, der nach Eingabe der Patronendaten Haltepunktkorrekturen in MOA, Mrad oder Zentimeter anzeigt – praktisch für alle, die ihre Klickwerte über den Turm anpassen möchten. Noch cleverer: Optional korrigiert das Gerät den Bildschirm automatisch, so dass der Schütze weiter auf die Zielmitte halten kann, während das H50R die ballistische Anpassung selbsttätig vornimmt. Gerade bei der Raubwildjagd mit Kleinkaliber, wo schon geringe Distanzunterschiede zählen, ist das ein echter Gewinn.

Der integrierte Laserentfernungsmesser reicht bis 1.200 m. Wir haben das Schwestermodell MATE H38R auf Stahlziele bis 800 m geschossen – der Rechner hat dabei sehr zuverlässig gearbeitet. Über die Link-Funktion lässt sich zudem eine kabellose Verbindung zu NocPix-Handgeräten (z. B. der Lumi- oder Wisseri-Serie) herstellen – die Entfernungsmessung vom Handgerät wird direkt ans Vorsatzgerät übertragen und die ballistische Lösung dort angezeigt.

Magic Zoom

Ein mitgelieferter Lagesensor wird am Vergrößerungsring des Zielfernrohrs befestigt. Er erkennt die aktuelle Zoomstufe und passt die Menüsymbole automatisch in Größe und Position an – so bleiben sie auf jeder Vergrößerungsstufe sauber sichtbar, ohne manuell nachzustellen.

Lageabhängige Bildschirmabschaltung

Wird die Waffe abgelegt oder auf den Hinterschaft gestellt, schaltet sich der Bildschirm automatisch ab. Das schont den Akku und verhindert auf der Pirsch ungewolltes Streulicht bei geschulterter Waffe.


Stärken & Schwächen

Stärken
  • Hervorragende Bildqualität mit starkem Kontrast
  • Sehr robuste Verarbeitung (Magnesiumgehäuse)
  • Kompakt und leicht – nur 467 g inkl. Akku
  • Zuverlässig bis –16,5 °C und darüber hinaus
  • Blinde Bedienbarkeit auch mit Handschuhen
  • RAV-Funktion für Schussanalyse
  • Ballistikrechner mit automatischer Haltepunktkorrektur
  • Standardakku (18650) – leicht zu beschaffen
  • USB-C Laden & Wechselakku im Lieferumfang
  • Magic Zoom & lageabhängige Bildschirmabschaltung
  • Link-Funktion für NocPix-Handgeräte
  • Stabiles Bild auch bei Nebel und Frost
Schwächen
  • Bedienelemente auf der linken Seite – Linkshänder müssen umgreifen
  • RAV-Funktion erfordert kalibergenaue Einstellung
  • Bei über 10-facher Vergrößerung nimmt Bildschärfe etwas ab
  • Premiumsegment – nicht für jeden Geldbeutel

Unser Fazit

Das NocPix MATE H50R ist ein vollwertiges Wärmebild-Vorsatzgerät, das jagdlich keine Wünsche offenlässt. Bildqualität, Verarbeitung und Zuverlässigkeit bei extremer Kälte sind auf einem Niveau, das im Premiumsegment seinesgleichen sucht. Der Ballistikrechner mit automatischer Haltepunktkorrektur, Magic Zoom und die lageabhängige Bildschirmabschaltung sind keine Spielereien – sondern durchdachte Funktionen, die im Revier echten Mehrwert liefern. Die RAV-Funktion ist ein echter Praxisgewinn – sobald sie richtig eingestellt ist.

Das MATE H50R befindet sich bei uns weiterhin im Langzeittest. Wir beobachten besonders die Treffpunktlage über Monate sowie Akku- und Software-Stabilität. Bis jetzt: keine Beanstandungen.

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